Die Geschichte von der Sonne und der dunklen Nacht

Die Geschichte von der Sonne und der dunklen Nacht.“

(von Jörg Wendang, nach einer Erzählung von Ulrich Duprée)

Einst, als wieder einmal ein Tag zur Neige ging und die dunkle Nacht vor der Tür stand, rief die mächtigen Sonne in die weite Welt hinaus: „Es wird Zeit für mich! Ich muss gehen! Wer wird leuchten in der Nacht?“… Es herrschte Stille… Niemand wagte es ein Wort zu sagen… Alle fürchteten sich vor der Macht der dunklen Nacht.
Und die Sonne erhob ihre Stimme ein zweites Mal: „Es wird nun Zeit für mich zu gehen! Wer von euch wird leuchten, wenn ich nicht da bin?“ …
Stille!…
Als die Sonne ein drittes Mal mit lauter und kraftvoller Stimme rief: “Ich muss gehen, wer wird leuchten in der Nacht?“ …
… meldete sich eine einzelne zaghafte Stimme: „Ich!“ „ Ich werde leuchten in der Nacht!“
„Wer bist du?“ fragte die Sonne.
„Ich bin es!“ … „Eine Kerze.“
Das fragte die Sonne: „Und wo wirst du leuchten?“ „ Und wie lange wirst du leuchten?“
Da antwortete die Kerze: „Ich werde genau für eine Nacht leuchten und einen ganzen Raum erhellen.“
„Sehr gut!“, sprach da die Sonne mit einem Lächeln. „Sehr gut!“
„Jetzt kann ich gehen.“ „Und Morgen… Morgen komme ich wieder.“
In jedem von uns brennt ein Licht. Es mag verdeckt sein von Widerständen, Ressentiments, Ängsten und Schatten – doch ich bin mir sicher, dass dieses Licht in uns brennt. In Zeiten wie diesen, ist es wichtig es hell und klar leuchten zu lassen – in einer Welt, die uns vielleicht dunkel erscheinen mag. Aber es ist eine Welt, die darauf wartet, dass wir alle – ei-ner nach dem anderen und irgendwann vielleicht wir alle gemeinsam – die Dunkelheit mit unserem Licht erleuchten.

Auf Hawai‘i wird in den alten Gesängen davon berichtet, dass die Menschen einer Schale glichen. In dieser Schale brannte ein Licht, das „Feuer von Aloha“. Mit dem „Feuer von Alo-ha“, war alles möglich. Es gab keine Grenzen und sie lebten ein erfülltes Leben. Sie konnten mit den Vögeln fliegen, auf den Wellen reiten und mit den Fischen schwimmen.
Wenn trotzdem ein Mensch neidisch, eifersüchtig oder gierig wurde, dann war es so, als nähme derjenige einen Stein und legte ihn in seine Schale. Da zwei Dinge nicht zur gleichen Zeit denselben Raum einnehmen können, verdrängte der Stein das Feuer und das Licht wur-de dunkler – mit jedem neuen Stein wurde es dunkler, bis nur noch ein schwaches Glimmen übrig blieb.
Genau so geht es uns in diesen Zeiten. Unsere Welt wird immer dunkler und wir fragen uns: „Wie können wir die Dunkelheit vertreiben und das Licht wieder zurückbringen?“ „Wie finden wir die richtige Antwort?“
Ich höre oft, dass besorgte Menschen die Anwendung von Gewalt für die richtige Antwort halten. Doch ist es nicht so, dass Gewalt die Angst und die Wut in den Herzen der Menschen nur noch mehr schürt? Und wenn es so ist, dass zwei Dinge nicht zur gleichen Zeit denselben Raum einnehmen können – verdrängt dann die Anwendung von Gewalt nicht das Licht aus unseren Herzen, so dass unsere Welt nur noch dunkler wird? Ist es wirklich das, was wir wol-len?
Viele Menschen fragen sich: „Wie können WIR als Gemeinschaft und wie kann ICH als Indivi-duum daran etwas ändern?“
Die Antwort darauf findet sich in den alten Gesängen. Sie lehren uns: „Lasse dein inneres Licht erstrahlen und du wirst die Dunkelheit vertreiben“. Erinnere dich: Es kann nur eines zur gleichen Zeit am selben Ort sein: Licht oder Dunkelheit. Also drehe deine Schale herum, so dass die Steine aus ihr herausfallen. Sofort wird es wieder hell.
Heute und jetzt, kannst Du dein eigenes Licht zum Leuchten bringen, indem Du die Welt und deine Betrachtungsweise von ihr, wie eine Schale herumdrehst. die Steine mit Namen „Ge-walt“ „Wut“ „Hass“ „Vergeltung“ „Rache“ zu Boden fallen lässt und die Dunkelheit mit deinem „Feuer von Aloha“ vertreibst. Schenke der Welt dein Licht der Vergebung, der Liebe, der Versöhnung und der Dankbarkeit.
Einst rief die mächtige Sonne: „Es wird Zeit für mich zu gehen! Wer wird an meiner Stelle leuchten in der dunklen Nacht?“
Da riefen Stimmen von überall her: „Ich, ich, ich, ich,… !“. Unzählige Stimmen riefen: „Ich werde leuchten in der Nacht! In einer Welt, die dunkel erscheinen mag! Aber ich werde sie erhellen! Mit meinem Licht!“
„Sehr gut!“, sprach da die Sonne. „Sehr gut!“ „ Jetzt kann ich gehen! … Und Morgen… Morgen komme ich wieder“ …
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